Drei Fragen an Josefine Kipke
Josefine Kipke arbeitet im Projekt als System Engineer für Sustainability Monitoring bei der Open Source Business Alliance (OSBA).
Welche Rolle spielt die Open Source Business Alliance im Projekt ECO:DIGIT?
Wir sind bei ECO:DIGIT vor allem dafür verantwortlich, die entwickelten Methoden in offene Cloud-Infrastrukturen zu integrieren. Besonders im Fokus steht dabei der Sovereign Cloud Stack (SCS). Unser Ziel ist es, ein stabiles Monitoring- und Bilanzierungssystem für die Umweltwirkungen digitaler Dienste zu entwickeln. Dabei arbeiten wir eng mit Technologiepartnern wie PlusServer und ScaleUp zusammen. Gemeinsam betreiben wir produktive SCS-Umgebungen, in denen spezielle Messtechnik installiert wurde, um den Energieverbrauch von Cloud-Workloads genau zu erfassen. Diese Daten fließen dann in die Bewertungsplattform des Projekts, den sogenannten Prüfstand, ein.
Welche technischen Herausforderungen gibt es dabei, und wie geht ihr damit um?
Eine der größten Herausforderungen ist es, den Energieverbrauch von Cloud-Anwendungen richtig zu erfassen und einzelnen Prozessen zuzuordnen. In virtualisierten Umgebungen teilen sich viele Anwendungen dieselbe Hardware, was die genaue Messung erschwert. Besonders schwierig ist es, zwischen dem statischen Grundverbrauch eines Systems und dem dynamischen Verbrauch, der durch laufende Anwendungen entsteht, zu unterscheiden. Während sich der dynamische Verbrauch durch aktive Nutzung – etwa bei starker CPU- oder Speicherlast – direkt verändert, bleibt der Grundverbrauch des Systems immer bestehen. Um dieses Problem zu lösen, entwickeln wir eine standardisierte Messinfrastruktur, die Laufzeitmetriken auf Host- und VM-Ebene erfasst und sie mit sensorisch erhobenen Verbrauchsdaten abgleicht. Zudem wird ein Monitoring-Framework aufgebaut, das sich in bestehende SCS-Infrastrukturen integrieren lässt. Dabei setzen wir auf Open-Source-Technologien und arbeiten mit Rechenzentrumsbetreibern zusammen, um die Methoden in realen Szenarien zu testen und zu verbessern.
Warum ist es so wichtig, bei ECO:DIGIT auf Open Source zu setzen?
Ganz einfach: Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Interoperabilität sind Grundpfeiler nachhaltiger IT. Aus dieser Perspektive ist die Offenheit von ECO:DIGIT nicht nur eine technische Entscheidung, sondern auch ein ethisches Prinzip. Nur durch offene Schnittstellen, quelloffene Tools und zugängliche Messmethoden lässt sich eine fundierte, reproduzierbare Bewertung der Umweltwirkungen digitaler Dienste erreichen – besonders in so heterogenen und dynamischen Systemen wie der Cloud. Open Source bietet die nötige Grundlage, um proprietären Plattformen, die oft nur eingeschränkte Einblicke in Ressourcenverbräuche ermöglichen, eine transparente Alternative entgegenzustellen. Außerdem können wir so gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und der Zivilgesellschaft an offenen Standards arbeiten. Nur wenn alle mitmachen, können wir nachhaltige IT-Infrastrukturen schaffen, die nicht nur theoretisch sinnvoll sind, sondern auch praktisch umgesetzt werden.


